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Europäische Union·Regulierung

31. März 2026 um 16:03

12 europäische Banken planen Euro-Stablecoin gegen Dollar-Dominanz

12 europäische Banken planen Euro-Stablecoin gegen Dollar-Dominanz
Quick Take
  • Ein Konsortium aus 12 führenden europäischen Banken, darunter ING, UniCredit und BBVA, unterstützt das Projekt Qivalis zur Einführung eines auf Euro lautenden Stablecoins.
  • Die Initiative zielt darauf ab, eine „digitale Dollarisierung“ zu verhindern, da der Euro derzeit trotz seines Status als zweitwichtigste Reservewährung der Welt nur 0,2 % der On-Chain-Transaktionen ausmacht.
  • Der Qivalis-Stablecoin wird MiCA-konform sein und strebt einen Start in der zweiten Jahreshälfte 2024 an, vorbehaltlich der aufsichtsrechtlichen Genehmigung durch die niederländische Zentralbank.

Kampf gegen die Dominanz des digitalen Dollars

Europa steht vor einer kritischen Herausforderung für seine finanzielle Souveränität, da sich das auf Blockchain basierende Finanzwesen immer weiter ausbreitet. Derzeit wird der Markt für digitale Vermögenswerte überwiegend von an den US-Dollar gekoppelten Stablecoins wie Tether (USDT) und Circle (USDC) beherrscht. Laut Jan-Oliver Sell, CEO von Qivalis, zwingt das Fehlen eines liquiden On-Chain-Euros die Nutzer in den Dollar, was eine strukturelle Abhängigkeit von US-Infrastrukturen schafft.

Während der Euro in der traditionellen globalen Finanzwelt etwa 20 % bis 25 % der Aktivitäten ausmacht, liegt seine Präsenz im Blockchain-Bereich bei lediglich 0,2 %. Diese massive Diskrepanz will das bankengestützte Konsortium beheben. Der weltweite Stablecoin-Markt, der derzeit mit rund 314 Milliarden US-Dollar bewertet wird, könnte laut Prognosen von Firmen wie Jeffries in den nächsten fünf Jahren auf 800 Milliarden bis 1,15 Billionen US-Dollar anwachsen, was die Etablierung eines Euro-nativen Assets zu einer dringenden Priorität macht.

Strategische Infrastruktur und regulatorische Anpassung

Im Gegensatz zu früheren Versuchen einzelner Banken, eigene Token auszugeben, ist Qivalis als Gemeinschaftsprojekt konzipiert, um eine Marktfragmentierung zu verhindern. Durch den Zusammenschluss von 12 großen Finanzinstituten will das Projekt die notwendige Distribution und Liquidität schaffen, um zum weltweiten „Standard“-Euro-Stablecoin zu werden. Dem Konsortium gehören Schwergewichte wie ING, UniCredit und BBVA an.

Wichtige Details der Projektentwicklung umfassen:

  • Regulatorische Compliance: Der Token wird dem Markets in Crypto-Assets (MiCA)-Rahmenwerk der Europäischen Union entsprechen.
  • Zeitplan für die Einführung: Ziel ist die zweite Jahreshälfte 2024, abhängig von der Lizenzierung durch die niederländische Zentralbank.
  • Marktpositionierung: Qivalis positioniert sich als essenzielle Finanzinfrastruktur, die eine Schnittstelle zwischen dem traditionellen Bankwesen und öffentlichen Blockchain-Netzwerken bietet.

Ergänzung zum digitalen Euro der EZB

Das private Stablecoin-Projekt schreitet schneller voran als der digitale Euro der Europäischen Zentralbank (EZB), der voraussichtlich frühestens 2029 verfügbar sein wird. EZB-Präsidentin Christine Lagarde stellte kürzlich fest, dass die technische Phase für die digitale Zentralbankwährung (CBDC) abgeschlossen sei und nun die politische Zustimmung des Europäischen Rates und des Europäischen Parlaments ausstehe.

Jan-Oliver Sell stellte klar, dass Qivalis das Projekt der EZB nicht als Konkurrenz betrachtet. Stattdessen beschreibt er einen „monetären Stack“, in dem die EZB zentralisiertes öffentliches Geld bereitstellt, während private, MiCA-regulierte Stablecoins wie Qivalis als native Assets für dezentralisierte Finanzen (DeFi), grenzüberschreitende Zahlungen und On-Chain-Abwicklungen dienen. Durch den Aufbau dieses Ökosystems hofft das Konsortium, europäische Nutzer vor den Wechselkursrisiken (FX) zu schützen, die mit dem Halten von Dollar-basierten Vermögenswerten verbunden sind, und sicherzustellen, dass der Euro seinen Status in der sich entwickelnden digitalen Wirtschaft behauptet.

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