27. März 2026 um 02:47
Iran-Konflikt sorgt für Düngemittelmangel und höhere Lebensmittelpreise

- Störung der weltweiten Düngemittelversorgung: Der Konflikt im Iran und die daraus resultierende Blockade der Straße von Hormus haben etwa 30 % des globalen Harnstoffhandels und ein Drittel des gesamten Düngemittelhandels eingeschränkt.
- Kritischer Zeitpunkt für die Landwirtschaft: Der Mangel fällt mit den Hauptanbausaisons in der nördlichen Hemisphäre und Teilen Afrikas zusammen, was die Ernteerträge gefährdet und weltweit zu steigenden Lebensmittelpreisen führt.
- Wirtschaftliche Belastung für Landwirte: Steigende Erdgaspreise und Versicherungskosten drücken die Margen der Landwirte, insbesondere in Entwicklungsländern wie Indien und Äthiopien.
Strategische Blockade behindert den Welthandel
Der andauernde Krieg im Iran hat zu einem massiven Engpass in der Straße von Hormus geführt, einer schmalen Wasserstraße, über die ein Fünftel der weltweiten Öllieferungen abgewickelt wird. Als Vergeltung für Militäraktionen der USA und Israels hat Teheran die Durchfahrt eingeschränkt, was sich direkt auf die Versorgung mit Stickstoff und Phosphat auswirkt. Chris Lawson von der CRU Group weist darauf hin, dass Harnstoff – das am häufigsten gehandelte Düngemittel – aufgrund von Versandverzögerungen und explodierenden Preisen für Flüssigerdgas, einem wesentlichen Rohstoff für die Produktion, am stärksten betroffen ist.
- Saudi-Arabien produziert etwa 20 % des weltweiten Phosphatdüngers.
- Die Region exportiert mehr als 40 % des weltweiten Schwefels, ein lebenswichtiges Nebenprodukt der Ölraffination für die Landwirtschaft.
- Die Versicherungskosten für Frachtschiffe werden laut Owen Gooch von Argus Consulting Services voraussichtlich auch nach Ende der Feindseligkeiten hoch bleiben.
Regionale Krisen und Ernährungssicherheit
Das Versorgungsdefizit ist in Entwicklungsländern am deutlichsten zu spüren. Äthiopien bezieht normalerweise über 90 % seines Stickstoffdüngers aus der Golfregion, eine Route, die derzeit stark beeinträchtigt ist. In Indien hat die Regierung in diesem Jahr 12,7 Milliarden US-Dollar für Harnstoffsubventionen bereitgestellt, um Kleinbauern zu schützen. Dennoch warnt Baldev Singh, ein Landwirt aus dem Punjab, dass viele kleine Betriebe ohne weitere Unterstützung vor dem Nachfragehöchststand im Juni möglicherweise nicht überleben werden.
Carl Skau vom Welternährungsprogramm betont, dass der Zeitpunkt katastrophal ist, da eine verzögerte Düngemittelanwendung in frühen Wachstumsphasen zu totalen Ernteausfällen führen kann. In Ostafrika berichtet Stephen Muchiri von der Eastern African Farmers Federation, dass Millionen von Kleinbauern angesichts unbeständiger Wetterlagen nur ein sehr kurzes Zeitfenster haben, um Betriebsmittel zu sichern.
Marktveränderungen und Auswirkungen auf Verbraucher
Während der Mangel anhält, zeigt das globale Ernährungssystem Anzeichen von Fragilität. Hanna Opsahl-Ben Ammar von Yara International hebt hervor, dass stabile Lieferketten für die weltweite Lebensmittelproduktion unerlässlich sind. Im Gegensatz zu den Preissprüngen nach der Invasion der Ukraine sind die aktuellen Getreidepreise relativ niedrig, was bedeutet, dass Landwirte weniger Spielraum haben, um höhere Kosten für Betriebsmittel abzufedern.
Joseph Glauber vom International Food Policy Research Institute vermutet, dass Landwirte gezwungen sein könnten, auf weniger düngemittelintensive Kulturen wie Sojabohnen umzusteigen oder den Düngemitteleinsatz insgesamt zu reduzieren. Diese Reduzierung wird wahrscheinlich zu geringeren Erträgen und höheren Preisen für die Verbraucher im Supermarkt führen. Da große Produzenten wie China die Inlandsversorgung priorisieren und Russland bereits an der Kapazitätsgrenze arbeitet, ist es unwahrscheinlich, dass andere Nationen das aktuelle Marktdefizit ausgleichen können.
Wie reagiert der Markt?
commentCount
commentEmpty
commentEmptySubtitle
