Europäische Union
Europäische Union·Regulierung

24. März 2026 um 10:42

EZB: Tokenisierung braucht Zentralbankgeld für Marktwachstum

EZB: Tokenisierung braucht Zentralbankgeld für Marktwachstum
Quick Take
  • Piero Cipollone, Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB), erklärte, dass tokenisiertes Zentralbankgeld für das Wachstum der tokenisierten Finanzmärkte in Europa unerlässlich ist.
  • Die EZB plant den Start der Pontes-Initiative im dritten Quartal 2026, um DLT-basierte Abwicklungen in Zentralbankgeld zu ermöglichen.
  • Ein umfassender Rechtsrahmen und eine öffentlich-private Zusammenarbeit werden als entscheidende Voraussetzungen genannt, um einen „Flickenteppich“ an Regulierungen zu vermeiden, der die Markteffizienz behindern könnte.

Die Notwendigkeit der Abwicklung über die Zentralbank

In einer Rede im House of the Euro in Brüssel betonte Piero Cipollone, dass private digitale Vermögenswerte wie Stablecoins und tokenisierte Einlagen den europäischen Markt nicht aus eigener Kraft skalieren können. Er argumentierte, dass diese Vermögenswerte einen öffentlichen Abwicklungsanker in Form von tokenisiertem Zentralbankgeld benötigen, um Stabilität und Vertrauen zu gewährleisten. Ohne einen solchen Anker könnten Verkäufer von tokenisierten Wertpapieren gezwungen sein, Zahlungen in Vermögenswerten zu akzeptieren, die einer hohen Preisvolatilität oder einem Kreditrisiko unterliegen, was letztlich die Expansion des Marktes einschränken würde.

Roadmap für die Tokenisierung: Pontes und Appia

Die EZB entwickelt derzeit zwei wichtige Initiativen zur Modernisierung der europäischen Finanzinfrastruktur:

  • Pontes: Der Start ist für das 3. Quartal 2026 geplant. Dieses Projekt zielt darauf ab, marktorientierte Distributed-Ledger-Technologie (DLT)-Plattformen mit den TARGET-Diensten des Eurosystems zu verbinden. Diese Verbindung wird es den Teilnehmern ermöglichen, Transaktionen direkt mit Zentralbankgeld abzuwickeln.
  • Appia: Diese am 11. März veröffentlichte Initiative liefert den Entwurf für ein einheitliches europäisches tokenisiertes Finanzökosystem mit einem Zieltermin für die Umsetzung im Jahr 2028. Sie umfasst Standards für die Interoperabilität, die sicherstellen, dass Vermögenswerte über kompatible Smart Contracts und Datenformate zwischen verschiedenen DLT-Plattformen übertragen werden können.

Rechtliche Rahmenbedingungen und Branchenfeedback

Cipollone warnte davor, dass das derzeitige Fehlen eines ganzheitlichen Tokenisierungsrahmens Risiken birgt. Er erkannte zwar den Vorschlag der Europäischen Kommission zur Ausweitung der DLT-Pilotregelung als positiven Schritt an, mahnte jedoch, dass der Aufbau einer fortschrittlichen Abwicklungsinfrastruktur auf der Grundlage fragmentierter Regulierungen die Region daran hindern könnte, die Vorteile der Technologie voll auszuschöpfen.

Branchenakteure beteiligen sich bereits an diesen Entwicklungen. Am 20. März reichte der Stablecoin-Emittent Circle ein Feedback zum Marktintegrationspaket ein und forderte die Gesetzgeber auf, die bestehende DLT-Pilotregelung zu erweitern und E-Geld-Token (EMT)-Geldkontodienste für autorisierte Krypto-Dienstleister bereitzustellen. Cipollone forderte Banken, Technologieanbieter und Marktinfrastrukturbetreiber auf, Feedback zur Appia-Roadmap abzugeben, um effektive öffentlich-private Partnerschaften zu fördern.

Wie reagiert der Markt?

67%Long/Short33%

commentCount

commentLogin

commentEmpty

commentEmptySubtitle